• Doris Salcedo by David Heald, 2015

Doris Salcedo - Tabula Rasa

Die kolumbianische Künstlerin erhält am 07. September 2019 den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst

Bis 03.11.2019

English Version

Kunst gegen das Vergessen
Wo Andere sich abwenden, beginnt Salcedos Arbeit: Mit großer Sensibilität thematisiert sie in ihren Skulpturen und Installationen die tragischen Folgen von Gewalt als Konsequenz politischer und ökonomischer Herrschaftsansprüche und führt dabei den Betrachter auf die emotionale Ebene der Opfer und ihrer An-gehörigen. Der seit fünf Jahrzehnten währende, bürgerkriegsähnliche Konflikt in ihrer Heimat Kolumbien ist Ausgangspunkt zahlreicher Projekte Salcedos. Ihre Kunstwerke sind Anti-Monumente, Zeugnisse von Folter, Verlust und Traumata. Dabei schafft die Künstlerin poetische Installationen und raumgreifende Arbeiten, die in ihrer Fragilität und Verletzlichkeit eben jenen Menschen eine spürbare Präsenz verleihen, die Brutalität und Ungerechtigkeit erfahren mussten oder nicht überlebten. Auf der 8. Biennale in Istanbul (2003) stapelte sie beispielsweise 1.500 Stühle in einem engen Spalt zwischen zwei Häusern in einem einst von Angehörigen der griechischen und jüdischen Minderheit bewohnten Stadtviertel. Den Umgang Europas mit Migrant*innen nahm sie 2007 in „Shibboleth“ in der Tate Modern in den Blick und hinterfragte mit einem langen und tiefen Riss im Betonboden der Turbinenhalle die Abschottungs- und Ausgrenzungsmechanismen der sogenannten ‚ersten Welt‘.

Die Künstlerin lebt in Bogotá, wo sie zuletzt ein „Anti-Monument“ aus einem Teil der rund 7.000 von den FARC-Rebellen abgegebenen Waffen erschaffen hat. Eingeschmolzen und in Zusammenarbeit mit weiblichen Gewaltopfern bearbeitet, dienen diese als Bodenplatten für ein neues Museum im Zentrum der Stadt, als Ort der Reflexion der langen Jahre gewalttätiger Konflikte in Kolumbien.

Die Ausstellung „Tabula Rasa“
In ihrer aktuellen, in der Ausstellung vertretenen, Werkreihe „Tabula Rasa I-IV“ setzt sich Salcedo künstlerisch mit Vergewaltigungen auseinander, die viele Frauen während des kolumbianischen Bürgerkriegs und der bis heute anhaltenden Gewaltherrschaft erlitten haben. Für diese Installation hat sie Tische, Symbole für das Leben und Wohnen, zerstört und in einem kleinteiligen Arbeitsprozess mit Leim wieder zusammengefügt. Die wiederhergestellten Objekte zeigen deutliche Spuren ihrer Vernichtung. Den Alltagsobjekten wird auf materielle wie metaphorische Weise die Unmöglichkeit eingeschrieben, einen einmal begangenen Gewaltakt wieder rückgängig zu machen. Der aussagekräftige Titel dieser Werkserie bildet zugleich den Titel der Ausstellung.
Werke wie „A Flor de Piel“ (2011-2012), ein großes Tuch aus konservierten und filigran miteinander vernähten Rosenblättern, und „Plegaria Muda“ (2008-2010), übereinander gelagerte Holztische, aus denen feine Grashalme wachsen, rufen Stärke, Schönheit und Fragilität des Lebens in den Sinn und erinnern zugleich an die traurigen Schicksale einzelner Menschen.
In der Ausstellung werden darüber hinaus einige der aus Rohseide und Sticknadeln bestehenden Objekte aus der Werkgruppe „Disremembered“ (2014-2015) zu sehen sein. Auch hier steht der Schmerz um die Abwesenheit von Menschen an zentraler Stelle: Ausgangspunkt für die Arbeiten waren Interviews mit Müttern aus Chicago, die ihre Kinder aufgrund von Waffengewalt verloren haben.
Doris Salcedo arbeitet nicht nur in künstlerischer Hinsicht äußerst umfassend und präzise, sondern auch im Hinblick auf die praktische Umsetzung ihrer Projekte, so bindet sie z.B. Opfer von Gewalt in die Erstellung ihrer Werke ein und verleiht ihnen dadurch eine Stimme.

Lübeck als Standort der zeitgenössischen Kunst
Nach der Ausstellung von Jonathan Meese „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe) - Mutter / Evolution“ zeigt die Kunsthalle St. Annen zum zweiten Mal einen retrospektiven Überblick einer zeitgenössischen Position und stärkt dadurch Lübeck als Ort der Auseinandersetzung mit moderner Kunst und den ästhetischen wie gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit.

Informationen zum Possehl-Preis für Internationale Kunst
Mit dem Possehl-Preis für Internationale Kunst zeichnet die Lübecker Possehl-Stiftung lebende Künstlerinnen und Künstler mit nationalem und internationalem Renommee für ihr Lebenswerk oder eine herausragende Arbeit beziehungsweise Werkgruppe aus. Ab 2019 wird dieser alle drei Jahre vergeben. Für die Würdigung stehen eine außerordentliche künstlerische Auseinandersetzung und eine mindestens über ein Jahrzehnt hinaus andauernde kontinuierliche Leistung im Vordergrund, die eine besondere Anerkennung verdienen. Der Preis wird innerhalb der Sparten Skulptur, Installation, Neue Medien und Performance sowie Formen des künstlerischen Aktionismus im Nominierungsverfahren vergeben. Intermediale Bezüge vielfältiger künstlerischer Ausdrucksformen im Gesamtwerk werden ver-stärkt bei einer Preisvergabe berücksichtigt. Die Auszeichnung umfasst ein Preisgeld von 25.000 Euro sowie die Ausrichtung einer Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen, Lübeck.
Weitere Informationen unter: www.possehl-stiftung.de/stiftung/preise/kunstpreis.html


Ab sofort buchbar:

Die nächsten Termine der Ausstellung

DO | 17.10.2019 | 13:30 - 17:00 Uhr
Workshop
Das weiße Blatt und der leere Tisch
Zweitägige Ferienwerkstatt
Das weiße Blatt und der leere Tisch
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Ein leeres Blatt, nur einige Schritte weiter die raumfüllenden Installationen der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo. Die Teilnehmenden der Schreibwerkstatt „Das weiße Blatt und der leere Tisch" werden dazu aufgefordert, genau hinzusehen und in sich hineinzuhören: Welche Laute gibt der durch die Tischplatte wachsende Grashalm von sich? Welche Gedanken entspringen einem Rosenblatt, das mit vielen anderen Rosenblättern zu einem Teppich vernäht wurde? Welche Worte gibt die Ausstellung „Tabula Rasa" von sich? Die Installationen der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo zeugen von emotionalen, unbegreiflichen und schmerzvollen Geschichten, die bei der Betrachtung berühren und im Gedächtnis bleiben. In der Schreibwerkstatt geht es weniger darum, die tatsächlichen Geschichten der Kunstwerke nachzuerzählen, als vielmehr die Denkanstöße zu nutzen, um eigene Geschichten zu entwickeln. Und so wird sich nur mittels eines Bleistifts und der neugewonnen Inspiration das leere Blatt im Laufe der zwei Tage füllen. 

Teilnehmen können Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die Lust haben, sich auf zeitgenössische Kunst einzulassen und daraus Inspiration für eigene Geschichten zu schöpfen. 

Der zweite Teil des Workshops findet am 18. 10. statt

Anmeldung erforderlich unter:
info@buecherpiraten.de oder 0451 – 70 73 810

Preis: Erwachsene: 7,- / Ermäßigte: 3,50 / Kinder: 2,50 €
Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei, zzgl. Eintritt
FR | 18.10.2019 | 13:30 - 17:00 Uhr
Workshop
Das weiße Blatt und der leere Tisch
Zweitägige Ferienwerkstatt
Das weiße Blatt und der leere Tisch
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Ein leeres Blatt, nur einige Schritte weiter die raumfüllenden Installationen der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo. Die Teilnehmenden der Schreibwerkstatt „Das weiße Blatt und der leere Tisch" werden dazu aufgefordert, genau hinzusehen und in sich hineinzuhören: Welche Laute gibt der durch die Tischplatte wachsende Grashalm von sich? Welche Gedanken entspringen einem Rosenblatt, das mit vielen anderen Rosenblättern zu einem Teppich vernäht wurde? Welche Worte gibt die Ausstellung „Tabula Rasa" von sich? Die Installationen der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo zeugen von emotionalen, unbegreiflichen und schmerzvollen Geschichten, die bei der Betrachtung berühren und im Gedächtnis bleiben. In der Schreibwerkstatt geht es weniger darum, die tatsächlichen Geschichten der Kunstwerke nachzuerzählen, als vielmehr die Denkanstöße zu nutzen, um eigene Geschichten zu entwickeln. Und so wird sich nur mittels eines Bleistifts und der neugewonnen Inspiration das leere Blatt im Laufe der zwei Tage füllen. 

Teilnehmen können Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die Lust haben, sich auf zeitgenössische Kunst einzulassen und daraus Inspiration für eigene Geschichten zu schöpfen. 

Der erste Teil des Workshops findet am 17. 10. statt

Anmeldung erforderlich unter:
info@buecherpiraten.de oder 0451 – 70 73 810





Preis: Erwachsene: 7,- / Ermäßigte: 3,50 / Kinder: 2,50 €
Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei, zzgl. Eintritt
SO | 20.10.2019 | 11:00 - 12:00 Uhr
Öffentliche Führung
Was steht denn da herum? – Wie Kunst im Raum wirkt
Führung für Familien mit Kindern ab 9 Jahren
Was steht denn da herum? – Wie Kunst im Raum wirkt
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In dieser Ausstellung stehen dreidimensionale Kunstwerke im Mittelpunkt. Aber wie findet man Zugang zu einem Kunstwerk, das nicht als flaches Gemälde an der Wand hängt, sondern eine raumfüllende Installation ist?
 Gemeinsam untersuchen wir in welcher Beziehung Kunstwerk, Raum und Betrachter zueinander stehen. Denn um dir die Werke zu erschließen, musst du aktiv werden, um Skulpturen herum gehen, die Installationen betreten. Welche ist die beste Position um das jeweilige Kunstwerk zu betrachten? Unsere Erfahrungen und Erkenntnisse halten wir in einer Bewegungsskizze fest.

Mit Cornelia Nicolai

Preis: 1 Erw. mit Kindern 13 €, 2 Erw. mit Kindern 20 €