Dimensionen der Freiheit.
Carl-Henning Pedersen und Else Alfelt
23.05. – 25.10.2026
Mit Dimensionen der Freiheit widmet sich die Kunsthalle St. Annen erstmals umfassend dem Werk von Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen, zwei zentralen Positionen der europäischen Nachkriegsmoderne und wichtigen Vertreter:innen der CoBrA-Bewegung.
Mehr als 150 Arbeiten aus vier Jahrzehnten zeichnen die Entwicklung einer Bildsprache nach, die aus Widerstand, radikaler künstlerischer Selbstermächtigung und kollektiver Kreativität hervorging. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Dimensionen der Freiheit, von der künstlerischen Praxis über das politische und gesellschaftliche Engagement bis zu spirituellen Neuerungen.
Die Begegnung von Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen markierte den Beginn einer intensiven künstlerischen wie persönlichen Partnerschaft. Beide wandten sich früh gegen akademische Traditionen und schlossen sich den avantgardistischen Künstler:innengruppen Høst und Helhesten an, die während der deutschen Besatzung Dänemarks aktiv Stellung gegen die nationalsozialistische Ideologie bezogen und sich mit den verfemten Positionen der sogenannten „entarteten Kunst“ solidarisierten.
1948 wurden beide Künstler:innen Teil der internationalen CoBrA-Bewegung, die nach den Traumata des Zweiten Weltkriegs eine Kunst jenseits gesellschaftlicher und akademischer Zwänge vertrat. Als Gründungsmitglied beeinflusste Pedersen mit seinem gestisch-expressiven, von nordischer Mythologie, Folklore und Kinderzeichnungen geprägten Stil die Bewegung nachhaltig. Alfelt hingegen blieb ihrer eigenen Bild- und Formensprache treu. Ihre Arbeiten übersetzen Natur, Spiritualität und kosmische Vorstellungen in reduzierte und kristalline Bildräume aus Bergen, Monden und Sonnen, die sich bewusst von der Ästhetik von CoBrA unterschieden.
Über Jahrzehnte trat Alfelts Werk hinter dem ihrer männlichen Kollegen zurück. Wiederkehrende sexistische Zuschreibungen und strukturelle Ausgrenzung führen exemplarisch die prekäre Position von Künstlerinnen innerhalb der eigentlich progressiven und avantgardistischen Netzwerke der Nachkriegsmoderne vor Augen.
Umso bedeutender erscheint heute die künstlerische Beziehung des Paares, die von gegenseitiger Einflussnahme und Unterstützung geprägt war. Pedersen betonte wiederholt die grundlegende Rolle Alfelts für seine eigene Hinwendung zur Bildenden Kunst. Internationale Aufenthalte unter anderem in Island, Italien, Indien und Japan erweiterten ihre Motivwelten und führten zu kontinuierlichen formalen und thematischen Transformationen. Die Ausstellung schließt mit Pedersens Spätwerk, das nach Alfelts Tod noch über drei Jahrzehnte aus dieser künstlerischen Verbindung schöpfte und sie zugleich reflektierte.
Für die Kunsthalle St. Annen besitzt die Ausstellung eine besondere sammlungshistorische und kulturpolitische Bedeutung. Mit ihren Schwerpunkten auf deutscher und skandinavischer Nachkriegskunst sowie ihrer geografischen Lage im deutschdänischen Grenzraum versteht sich die Präsentation zugleich als Ausdruck historischer und kultureller Verflechtung beider Länder. Damit wird die Ausstellung auch zu einem Statement für grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit, ein Gedanke, der tief im Werk beider Künstler:innen verankert ist.
Die erste großangelegte internationale Retrospektive wurde in Zusammenarbeit mit der Carl-Henning Pedersen Foundation, dem Vorsitzenden Finn Poulsen, dem ehemaligen Direktor des ARKEN Museums Christian Gether und dem Institut für Kulturaustausch entwickelt. Begleitend entsteht ein vielschichtiges Vermittlungsprogramm, das die Ausstellung als offenen Denk- und Erfahrungsraum versteht. Mehrsprachige Rundgänge, Workshops und partizipative Formate in der Ausstellung sollen Hemmschwellen abbauen und neue Perspektiven auf Fragen von Freiheit, Kreativität und kollektiver Praxis eröffnen.
Vernissage: 22.05.2026 | 19:00 Uhr
Die nächsten Termine der Ausstellung
2026
Die Welt und ich
Welchen Einfluss hat mein Handeln auf die Welt? Beeinflusst es nur mich selbst? Und wie gehe ich eigentlich mit der Welt um?
Ausgehend von dem Kunstwerk The Birds von Benedikte Bjerre entwickeln wir eigene Ideen zum Umgang mit der Welt und diskutieren gemeinsam über Gedanken, Fragen und mögliche Antworten, die die Arbeit aufwirft.
Für Kinder im Alter von 6 - 12 Jahren zusammen mit einer Begleitperson. Die Aufsichtspflicht unterliegt der Begleitperson.
Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung Dimensionen der Freiheit. Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen. Weitere Termine des Begleitprogramms finden Sie hier.
Die LÜBECKER MUSEEN bieten jeden Sonntag wechselnde Angebote für Familien mit Kindern und Jugendlichen an. Einen Überblick finden Sie hier.
Preis:
Regulär: 14,00 € (Eintritt)
Kinder und ermäßigungsberechtigte Personen: 0,00 €
Der Workshop selbst ist kostenfrei. Das Ticket umfasst den Eintritt in das Museum. Falls Sie bereits einen Day Pass oder eine Jahreskarte der LÜBECKER MUSEEN besitzen, fällt keine Gebühr an.
2026
Sonntagsdialoge in der Kunsthalle
Gemeinsam mit Sonntagsdialoge e.V. laden wir euch ein, jenseits der vertrauten Kreise mit Menschen aus Lübeck über die Kunst in Austausch zu treten. Der Verein begleitet und unterstützt die Integration von Menschen mit Fluchterfahrung und neu Hinzugezogenen in Lübecks Gesellschaft. Als Gruppe erkunden wir die Ausstellung, tauschen uns aus und lernen uns über die Kunst kennen.
Der Rundgang richtet sich in erster Linie an Gruppen des Vereins Sonntagsdialoge, ist aber auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Um für alle Teilnehmenden verständlich zu sein, wird er in einfacherer Sprache durchgeführt und zum Teil übersetzt.
Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung Dimensionen der Freiheit. Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen. Weitere Termine des Begleitprogramms finden Sie hier.
Preis:
Regulär: 18,00 € (14,00 € Eintritt plus 4,00 € Führungsgebühr)
Kinder und Personen mit freiem Eintritt: 4,00 € (Führungsgebühr)
Das Ticket enthält den Eintritt in das Museum. Falls Sie bereits einen Day Pass oder eine Jahreskarte der LÜBECKER MUSEEN besitzen, fällt nur die Führungsgebühr an.
Die Teilnehmer:innenzahl ist begrenzt. Falls alle Tickets ausverkauft sind, fragen Sie gerne nach Restkarten an der Kasse.
2026
Zwischen Kirche und Museum. Turbulente Objektgeschichten.
Viele der Objekte sakraler Kunst, die das St. Annen-Museum ausstellt, sind nicht direkt vom Altar oder einem anderen prominenten Platz im Kirchenraum ins Museum gelangt. Ganz im Gegenteil. Was wir heute als wertvolles Zeugnis mittelalterlicher Kunst betrachten, wurde als brauchbarer Werkstoff verbaut oder verschüttet, viele Objekte wurden zerstört.
Anhand von ausgewählten Werken sakraler Kunst widmet sich der Rundgang einigen Objekten mit spannender Herkunftsgeschichte. Durch die Beschäftigung mit dem historischen Umgang von Kunst sind wir im besonderen Maß dazu aufgefordert, auch unseren eignen Blick auf die Bildwerke zu hinterfragen.
Im Anschluss an die kompakte Kurzführung sind Sie eingeladen, im Kunstcafé die besprochenen Themen gemeinsam mit unserem Ausstellungsteam zu vertiefen.
Die LÜBECKER MUSEEN bieten jede Woche wechselnde Mittagspausen an. Einen Überblick über die Angebote finden Sie hier.
Preis:
Regulär: 14,00 € (Eintritt)
Kinder und ermäßigungsberechtigte Personen: 0,00 €
Die Kurzführung selbst ist kostenfrei. Das Ticket umfasst den Eintritt in das Museum. Falls Sie bereits einen Day Pass oder eine Jahreskarte der LÜBECKER MUSEEN besitzen, fällt keine Gebühr an.