Die Lübecker Museen haben wieder ihre Türen geöffnet. Beachten Sie bitte die dafür notwendigen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen, häufig gestellte Fragen zur Wiedereröffnung beantworten wir Ihnen hier.

Frischer Wind aus dem Norden!

„Die Frage, die sich stellt, ist: Welcher Gestalt ist die Natur einer Landschaft, wenn man sie von innen nach außen betrachtet?“

Timothy Persons, Galeriedirektor Persons Projects

"Anders als die Düsseldorfer Fotoschule, die von der „objektiven“ Ästhetik Bernd und Hilla Bechers geprägt wurde, zeichnet sich die Helsinki School für mich durch eine besonders sinnliche und emotional berührende Schönheit aus."

Antje-Britt Mählmann, Leitende Kuratorin der Kunsthalle St. Annen

Als Helsinki School erlangt seit den 1990ern eine Gruppe von Absolvent:innen der Aalto University of Arts, Design and Architecture internationale Bekanntheit in der Fotokunst. Obwohl die mehrere Generationen vereinende Schule keineswegs einen einheitlichen stilistischen oder thematischen Ansatz verfolgt, bilden vielfältige Naturbezüge in zahlreichen Fotoserien der vertretenen Künstler:innen dennoch einen gemeinsamen Nenner.

Aalto University

Leselounge

Die in der finnischen Hauptstadt Helsinki angesiedelte  Aalto-Universität wurde 2010 durch die Zusammenlegung dreier vormals unabhängiger Hochschulen, der Technischen Universität Helsinki, der Handelshochschule Helsinki und der Hochschule für Kunst und Design Helsinki, gegründet.

Sie ist nach dem finnischen Architekten und Designer Hugo Alvar Aalto benannt, der als Vater des Skandinavischen Designs gilt, da er durch sein besonderes organisches Design eine eigenständige Formensprache der skandinavischen Moderne geschaffen hat. Seine Möbelentwürfe zeichnen sich durch die Verwendung natürlicher Materialien und organischer Formen aus und sind von schlichter Formalität, Minimalismus, Funktionalität und preisgünstiger Massenproduktion geprägt.

Die nordische Landschaft
  • Joakim Eskildsen, The Fishermen, 1993, Serie: Nordic Signs, Pigment Print

Nordic Signs

Die Fotografien von Joakim Eskildsen schildern das Erleben einer rauen, wilden und teils kargen Natur. Das Porträt eines Fischers aus der Serie Nordic Signs deutet auf die enge Verbindung zwischen der nordischen Landschaft und ihren Einwohnern hin. Das wettergegerbte Gesicht des Porträtierten strahlt Ruhe, Würde und Genügsamkeit aus.

Die Aufnahmen sind geprägt von einer weichen, malerischen Ästhetik, die an den Piktorialismus der frühen Fotografie erinnert, als das im 19. Jahrhundert neu entwickelte Medium sich im Wettstreit mit der Malerei befand. Zugleich erinnern einige Nahaufnahmen von Bergen und Meer mit ungewöhnlich hoch verlaufenden Horizonten an den im 19. Jahrhundert und darüber hinaus verbreiteten Einfluss japanischer Farbholzschnitte.

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In der Fotoserie Nordic Signs liegt der Fokus auf Details der mal rauen, mal lieblichen Landschaften. Eskildsen lenkt so den Blick auf spezifische Formen, Muster und Bewegungen, die man leicht übersehen kann. In ihrer reduzierten Ästhetik muten die Bilder weich und poetisch an.

Das Gemälde Terrain des Vergessens des schwedischen  Künstlers Jan Håfströms reduziert die Landschaft auf die Bildfläche. Auf die Darstellung perspektivischer Tiefe wird verzichtet. Somit bildet das abstrakte Werk gleichsam einen spannungsvollen Kontrast zu den figurativen Landschaften Eskildsens.

Erhabene Landschaft
  • Santeri Touri, Sky #29, 2015, Pigment Print

Zeitlandschaften

Santeri Touris Werk liegt eine Faszination für die vergehende Zeit zugrunde. Er befasst sich in seinen Fotografien und Videoarbeiten mit dem zeitlichen Erleben von Natur sowie der ihr innewohnenden Kraft der Veränderung. Die Gegenstände seiner über längere Zeiträume geführten zyklischen Beobachtungen finden sich häufig in der nordischen Landschaft: gewaltige Wolkengebilde in der Serie Sky oder ein kraftvoll tosender Wasserfall in der beeindruckenden Videoinstallation Waterfall.

In seinen „Wolkenbildern“ verschiebt der Künstler die lineare Zentralperspektive klassischer Landschaftsmalerei hin zu einem dezentralen Blickwinkel. Häufig mit nach oben gerichteter Kamera in den bewölkten Himmel hinein fotografiert er dasselbe Objekt aus derselben Perspektive über mehrere Jahre hinweg  und überlagert dann die Bilder miteinander, um das Vergehen der Zeit zu visualisieren. Für seine über vier Jahre hinweg entstandenen Himmelsfotos hat er Schwarz-Weiß- und Farbfotos miteinander verschmolzen.

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Das Erhabene

Touris Darstellungen der Natur, die sich zwischen Reduktion und Überwältigung bewegen, lassen die Betrachtenden an den kontinuierlichen Verwandlungen der Natur teilhaben. Sie betonen solche Eigenschaften der Natur, die die Menschheit besonders faszinieren, wie Bewegung, Kraft und Ursprünglichkeit, und knüpfen damit an die ästhetische Kategorie des Erhabenen (engl. Sublime) an. 

Die aus der Arbeitsweise resultierenden Farbeffekte erinnern an den Himmel in Landschafts- oder Seebildern der Holländischen Schule, wobei in Tuoris Fotos der Himmel selbst zur Landschaft wird. Desgleichen nähert sich der Künstler im fotografischen Medium den Praktiken der Malerei in der Romantik an. Vor allem Künstler der nördlichen Hemisphäre, wie zum Beispiel Casper David Friedrich oder Johan Christian Dahl, fertigten Studien von Wolken, um deren Wirkung auf die Atmosphäre von Naturbildern zu erforschen. Mit diesen Studien verband sich auch ein wissenschaftliches Interesse an den verschiedenen Wolkenformen, das auch bei Tuori gegeben scheint.

Eine Frage der Perspektive
  • Elina Brotherus, Der Wanderer 2, 2004, Chromogenic Color Print

Der Wanderer

Viele Fotografien und Videos von Elina Brotherus sind Selbstporträts, die sich mit der Beziehung zwischen Individuum und Raum beschäftigen und die Stellung der Menschheit in der Natur infrage stellen. In ihren Arbeiten greift sie einerseits Techniken der Perspektive und Komposition des klassischen Landschaftsgenres auf, andererseits verweist sie auf die geheimnisvolle Beziehung des isolierten Individuums, dessen Gesicht uns verborgen bleibt, zu seiner Umgebung. Die kontemplative Atmosphäre zieht uns ebenso in das Bild hinein wie die Positionierung der Figur, deren Blickrichtung als Echo der unseren im Betrachtungsprozess wirkt. Die Figur definiert auch den perspektivischen Blick auf die Landschaft.

Die Rückenfigur

Elina Brotherus, Der Wanderer 5, 2004


Elina Brotherus setzt sich mit den Traditionen der Landschaftsmalerei auseinander. Sie nimmt direkten Bezug zur Malerei der Romantik, insbesondere zu Casper David Friedrich, wie in ihren Arbeiten aus den Serien The New Painting (2000–2004) und Artist and Her Model (2005–2011), deren Figuren in der Rückenansicht in die Landschaft blicken.

Vor dem gemalten Trompe-l’Œil einer Landschaft steht die Rückenfigur in Der Wanderer 5. Hier fällt das malerische Spiel mit Effekten der Raumtiefe und -aufteilung ins Auge, das durch die Wahl des Bildausschnitts und die Übertragung in das fotografische Medium noch gesteigert wird.


Die Rückenfigur ist ein typisches Thema der Malerei des 19. Jahrhunderts. Sie dient der Darstellung von Bildtiefe und fungiert als Identifikationsfigur für den Betrachter. Bei Caspar David Friedrich wird die Rückenfigur zu einem wesentlichen Element mit enormem Symbolgehalt. Meist sind es in der Landschaft isolierte Figuren, die Zwiesprache mit der Natur halten und damit dem Betrachter ein Kontemplationsangebot bieten.

Künstlerische Forschung
  • Tiina Itkonen, Serie: Home, Archival Pigment Print
  • Tiina Itkonen, Serie: Home, Archival Pigment Print

Im Gegensatz zu diesen eher malerischen Effekten wählen einige Künstler der Helsinki School eine dezidiert forschende, wissenschaftliche Herangehensweise an ihre künstlerische Arbeit. Wie reisende Naturforscherinnen unternehmen sie aufwendige Expeditionen an entlegene Orte, um deren Flora und Fauna zu dokumentieren.

Home

Seit vielen Jahren bereist und fotografiert Tiina Itkonen den Norden Grönlands (und Alaska). Bei ihren häufigen Aufenthalten in Grönland lebt sie stets bei den indigenen Bevölkerungsgruppen und hat eine enge Beziehung zu Land und Leuten aufgebaut. Ihre über viele Jahre aufgenommenen Landschaftsfotos machen die Folgen des Klimawandels sichtbar: Indem sie über lange Zeiträume hinweg immer wieder die gleichen Schnee- und Eislandschaften fotografiert, stellt sie die Fragilität dieser besonderen Lebenswelt deutlich heraus. 

Die abgelegene, polare Ansammlung von kleinen Holzhäusern inspirierte sie zu einer fotografischen Historiografie der direkten Folgen der Erderwärmung. Ihre Fotografien erfassen nicht nur die Umweltveränderungen in diesem Teil der Welt, sondern zeigen auch, wie sich diese Veränderungen soziologisch und emotional auf die Menschen auswirken. Systematisch dokumentiert sie, wie der Klimawandel eine traditionelle Lebensform verändert und die einstige Jagdkultur mit einer neuen, unsicheren Realität konfrontiert. Mit dem Verschwinden des Meereises verschwinden auch die indigenen Bewohner, deren Einkommen von den Gaben der Natur abhängt.

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Kunst und Wissenschaft

Tiina Itkonen, Serie: Home, Archival Pigment Print / Per Kirkeby, Karte, 1981, Öl auf Leinwand

Auch der Däne Per Kirkeby (1938 −2018) nahm ein ursprünglich wissenschaftliches Interesse an der Natur zum Ausgangspunkt seines künstlerischen Schaffens. Als studierter Geologe unternahm er zahlreiche Reisen nach Grönland. Diese prägten seine Kunst: Landschaften, Vegetationen und Gesteinsformationen fanden ihren Widerhall in seinen Arbeiten, die der Künstler im Laufe des malerischen Prozesses vielfach überarbeitete und transformierte.

Tiina Itkonen, Serie: Nanoq, 2015, Archival Pigment Print

Itkonen lenkt in ihrer Serie Nanoq (Inuit für Eisbär) den Blick auf die Folgen des Klimawandels in der Polarregion und deren vom Aussterben bedrohten Tiere.


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Wie Tiina Itkonen reist auch Sanna Kannisto an ferne Orte, um sie zu fotografieren. Ihr Fokus liegt dabei jedoch auf Details der Flora und Fauna. Sie hält sich regelmäßig in Brasilien auf, wo sie mit tragbaren Fotostudios in der Amazonasregion arbeitet. Vor schwarzem oder weißem Hintergrund und unter kontrollierten Beleuchtungsbedingungen werden Vögel, Käfer und Blumen zu Objekten künstlerischer Erforschung. Diese visuelle Entkopplung der Tiere und Pflanzen von ihrer Lebenswelt lenkt das betrachtende Auge direkt auf Besonderheiten. Die Fotografie sowie auch die experimentelle Anordnung als solche werden als Konstrukt offenbart, wodurch der Blick auf die Schönheit und die Zerbrechlichkeit ihrer Bildakteure geführt wird.

Natur und Mensch
  • Ilkka Halso: Kitka River, 2004, Serie: Museum of Nature, C-Print Diasec with Dibond Plate

Museum of Nature

Ilkka Halso beschäftigt sich ebenfalls mit dem drohenden Verlust der Natur durch menschliche Eingriffe, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Konstrukte des Widerstands gegen diese Vernichtung fängt Halso digital in spektakulären, fiktiven Strukturen ein, die dem Schutz von Wäldern, Flüssen und Gebirgen dienen sollen – und von denen er hofft, dass sie niemals wirklich gebaut werden müssen. Bilder von Warenhäusern voller Bäume und anderen Pflanzen erinnern daran, dass die Wildnis in unserer kulturellen Wahrnehmung zunehmend zu einem Konsumprodukt verkommt.

Jaakko Kahilaniemis: Property Weight, 2016, Archival Pigment Print

100 Hectares of Understanding

Jaakko Kahilaniemis künstlerische Annäherung an das Thema Natur finden auf einer sehr persönlichen Ebene statt. Er stammt aus einer Forstwirtschaftsfamilie und hat 100 Hektar Wald geerbt – Eigentum, dem er sich nun zur Pflege verpflichtet sieht. Mit wissenschaftlicher Akribie vermisst, wiegt und dokumentiert er Fragmente seines Waldes. Die aus diesem Prozess entstehenden Rauminstallationen umfassen Fotografien und Skulpturen, die eine reduzierte Ästhetik aufweisen.

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Kahilaniemi verwendet verschiedene Methoden und Techniken, um seine Waldgänge zu komplementieren. In seinem Waldgebiet erntet er gewissenmaßen die Objekte, die anschließend seine künstlerische Sprache bestimmen. Anhand von Kiefernnadeln, Rindstücken, Blättern, Samen und Steinen zeichnet er sein Streben nach – in der Hoffnung, das Bewusstsein der urbanisierten Welt für die Natur steigern zu können.

Jaakko Kahilaniemis: Garden of Concrete, 2018, Installation
Die farbigen Punkte, mit denen der Künstler einzelne Gebiete innerhalb seines Landstrichs auf den schwarz-weißen Fotografien markiert, deuten auf eine Auseinandersetzung mit dem Konzeptkünstler und Fotografen John Baldessari hin.
Finnlands Wälder waren von zentraler Bedeutung für die Herausbildung einer nationalen Identität. Er spielt auf diese ins frühe 20. Jahrhundert zurückreichende Romantik an.
Konzeptkunst
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    Elina Brotherus, A New Sense of Order, 2017. After John Baldessari, A New Sense of Order (The Art Teacher Story), 1973.

Baldessari Assignments

Zahlreiche Vorbilder aus der Konzeptkunst prägen die Helsinki School. Elina Brotherus bezieht sich auf den berühmten Konzeptkünstler John Baldessari in ihrem Projekt The Baldessari Assignments

Baldessari, der an der kalifornischen Kunsthochschule CalArts lehrte, entwarf eine Liste von Methoden, um als Künstler zu neuer Inspiration zu gelangen. Brotherus begann einige dieser Aufgaben für ihre Arbeit zu nutzen. 

In einer Fortsetzung dieses Projekts verwendet sie sogenannte Event Scores, Aufzeichnungen der Performances künstlerischer Vorgänger, als Ausgangsmaterial für ihre Videoperformances und Fotografien.

Elina Brotherus, Portrait Series (Gelbe Musik with Sunfl owers). After John Baldessari, Portrait Series, 1974, 2018, Archival Pigment Print
Elina Brotherus, Dress a Dog with a Beard. After John Baldessari, Dress a dog or a cow with a beard, from Thirty-Nine Journal Entries, 1970, 2017, Serie: The Baldessari Assignments, Archival Pigment Print

"I have always avoided doing portraits as something per se. A face is so powerful and dominates all else. In this series I have hidden the face in a variety of manners, trying to allow other information to surface and define the person (---) If art is a mystery, then the face is a betrayer and should be hidden.”

Elina Brotherus

(Re)Konstruierte Natur
  • Anni Leppälä, Door (View), 2013, Pigment Print

Kompositionen

Die Natur ist in Anni Leppäläs inszenierten Aufnahmen stets präsent. Meist erscheint sie künstlich und rekonstruiert in Räumen als Stillleben, Landschaft oder Porträt. Die Fotografin schöpft hierbei aus Erinnerungen von Verlust, Sehnsucht und ihrer frühen Jugend. Sie hinterfragt Flüchtigkeit und Beständigkeit, versucht Sichtbares und Unsichtbares zu verbinden. Es ist der Wunsch den Moment einzufrieren, der im Fokus steht. Leppälä arbeitet nicht an Fotoserien, dennoch sind das Kombinieren von einzelnen Bildern und die daraus resultierenden sich stets verändernden Verbindungen und Bedeutungen für ihren Arbeitsprozess und ihr Werk essenziell.

Kalevala

Leppälä verwendet geheimnisvoll aus dem Kontext gelöste Elemente – eine Hand, ein Mädchen, das sein Gesicht hinter langen roten Haaren verbirgt, ein Landschaftsdetail, die surreal anmuten. Sie erinnern an die finnische Mythologie, zum Beispiel an das berühmte im frühen 19. Jahrhundert aus mündlicher Überlieferung kompilierte Epos Kalevala, das in seiner Entstehungszeit eine hohe Bedeutung für die Entwicklung der finnischen kulturellen Identität hatte.  Ebenso prägte die Kalevala die finnische Kunstgeschichte entscheidend. Berühmt sind die malerischen Interpretationen des Symbolisten Akseli Gallen-Kallela, dessen bewegte Bildwelten bis heute künstlerisch nachwirken.


Das Interesse der Künstlerin gilt der Frage, inwieweit sich die Bilder über ihre vielfältigen Kombinationen und Paarungen gegenseitig beeinflussen und darüber eine neue Deutung, „Ein drittes Bild“ auslösen.
Leppäläs Themen reichen von vergessenen Orten bis hin zu weiblichen Figuren, die in der Abgeschiedenheit ihrer eigenen Präsenz gefangen sind. In traumähnlichen Szenerien offenbaren ihre Fotos verborgene Emotionen und Erinnerungen, die ein tiefes Gefühl für einen Ort vermitteln.
Leppäläs Bildsprache ist mit verschiedensten Landschaften angereichert, die uns einen geheimnisvollen Zugang zu einer anderen Welt gewähren.

In den Fotografien von Anni Leppälä geht es um Erinnerung sowie deren Verbindung zu Raum, Zeit und der finnischen Landschaft. Die Anordnung der Wandinstallation schafft sie speziell für den jeweiligen Ausstellungsraum an.


Die Fotografen der Helsinki School zeigen eine große Bandbreite künstlerischer Herangehensweisen und Themen. Viele von ihnen befassen sich mit Themen wie Umweltverschmutzung und Klimawandel, die zu den brennenden Fragen der Gegenwart zählen. Weiterhin verweisen die Werke der beteiligten Künstler immer wieder auf die lange Tradition der künstlerischen Beschäftigung mit der Natur – ganz gleich ob diese ungezähmt oder kultiviert ist.

„Die Klarheit des Blicks scheint dem späten Abendlicht des nordischen Sommers zu entspringen. Die konzeptuelle Basis tritt deutlich hervor. Die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, die in der Arbeit stecken, sind für eine Künstlergruppe selten."

 Jorma Puranen


Wir trauern um die Künstlerin Susanna Majuri, deren wunderschöne Werke Teil unserer Ausstellung sind.
Die poetischen Fotografien zeigen Frauen, die in konstruierten Unterwasser-Landschaften zu schweben scheinen.
Majuri ist im Alter von 41 Jahren verstorben. Ihr beeindruckendes Lebenswerk bleibt! Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und ihren Freunden.

Susanna Majuri, A Girl, Pearls and Stream, 2015, Archival Pigment Print

”My photographs can be seen as different places for emotions. I want to narrate feelings like in novels. I photograph strangers, they invoke my desire, and I ask them to come with me. I conceal my dreams and desires in images. Water paints with me, it merges the people and the landscapes together. Feelings can be revealed, but remain hidden. You can recognise these photographed places in your imagination. Mysteries will become your secrets, and I want to take you into your dreams. Here, in the images, my protagonists sing with tunes of joy and yearning. I borrow poet Tua Forsström: I said it was a dream, because I wanted to stay.”

Susanna Majuri 

  • Elina Brotherus · Joakim Eskildsen · Ilkka Halso · Tiina Itkonen · Jaakko Kahilianiemi · Sanna Kannisto · Anni Leppälä · Susanna Majuri · Riitta Päiväläinen · Jorma · Puranen · Mikko Rikala · Santeri Tuori